Sonntag, 16. Juli 2017

leben im vorübergehen



die warnung unbeachtet
eine stimme, die sich wiederholt
worte ohne betonung
monoton
das umblättern der seiten
knisterndes nebengeräusch
ein steckenpferd und ein briefbeschwerer
das kratzen der schreibfeder ergibt
keinen sinn
sparsames spitzen des mundes
augenfiebern rechts und links
stunden ohne stimme
sprache ohne laute
laute ohne worte
stechpalmen hinter glasscheibe
hastiges huschen der schatten

ein leben im vorübergehen

schüttelt das bett frau holle
fliegen die daunen
lausche im wind - fest stehen
begonien auf der fensterbank
ein trockenes blatt
fällt zu boden
von fern rollen güterzüge
die masten rauchig
knattern der wetterfahne

der zeiger der uhr zählt
sekunden veränderung
schleicht auf leisen sohlen
näher kommen schwache
momente der vergangenheit

ein leben im vorübergehen

der fotorahmen hat lücken
bruchsstücke fugen ein bild
der mauervorsprung wächst
eidechsen in sonnenglut
rascher werden augenblicke
schneller hasten die finger
zeilen fallen aus dem rahmen
das papier wölbt sich unter
der last der erinnerungen
im vorübergehen nichts ändert
sich - nur die farben des windspiels
und der drachen auf dem dach
speit feuer ...

©dherrmann ~ meermaid 

1 Kommentar:

Sami Reis hat gesagt…

Wieder so ein Text der atemlos macht👌🏻Ist es das Leben einer Autorin die nach Worten für eine Geschichte sucht abgelenkt wird und plötzlich kommt alles raus?Und doch verspürt Sie keine Erleichterung denn alles bleibt wie es war? Mich hat es gefesselt auch wenn ich falsch liege denn ich dachte an Dingen die ich - erst sprachlos - dann doch los werden wollte, mutig was ändern wollte und....nichts hat sich geändert😔 Danke🌹